
Hinweis auf die „Kalebuz-Gruft“ in der Kirche von Kampehl, 2019
In der Gruft wird der Besucher heute aufgeklärt: 1690 wurde Kahlbutz von der Magd Maria Leppin des Mordes an ihrem Verlobten, dem Schäfer Pickert, bezichtigt. Er habe aus Rache gehandelt, da Maria dem Gutsbesitzer „das Recht der ersten Nacht“ verweigert hatte. Kahlbutz wurde aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Wenn er doch der Mörder gewesen sei, soll er vor Gericht kundgetan haben, dann solle Gott machen, dass sein Leichnam nicht verwese. Statt dieser Erzählung berichtet Fontane vom weiteren Schicksal der Mumie. „Übermütige Franzosen“ hätten die Leiche 1806/07 aus der Gruft geholt und „als Gekreuzigten auf den Altar“ gestellt. Als einer der „Übeltäter“ die linke Hand festnageln wollte, „fiel der erhobene Mumienarm zurück und gab dem unten stehenden Franzosen einen Backenstreich“. Daraufhin fiel er tot um.
Kirche mit Gruft in Kampehl, 2019
Zu der „Geschichte mit dem Franzosen“ findet sich ein fünfzeiliger Hinweis in einem Notizbuch Fontanes. Allerdings ist fraglich, ob der Wanderer jemals vor Ort war. Von seiner „Sommerreise durchs Ruppinsche“ 1864 existieren keine Reisenotizen über Kampehl. Auch in den gedruckten „Wanderungen“ wird die Mumie nicht beschrieben. Ungeklärt bleibt wohl auch, warum die Leiche nicht verwest. Weder die berühmten Mediziner Virchow (1895) und Sauerbruch (1930) noch eine Charité-Kommission (1983) konnten das biologische Rätsel lösen. Ungeachtet dessen geht der Kunsthistoriker Andreas Ströbl davon aus, dass die Leiche „eine ganz normale Trockenmumie“ sei, die in einer Umgebung mit geringer Luftfeuchtigkeit entstehe. Davon gäbe es in Europa Tausende. Die Kampehler gehen davon aus, dass ihre Mumie die berühmteste ist. Zehntausend Besucher im Jahr und aus der ganzen Welt scheinen ihnen Recht zu geben. Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung vom 5.5.2019; https://www.maz-online.de/Lokales/Ostprignitz-Ruppin/Neustadt/Fontanes-vergessene-Orte-Kampehl-wo-Ritter-Kahlbutz-spukt
