Liebenberg

Lage

Liebenberg

Ortsteil der Gemeinde Löwenberger Land 

Landkreis Oberhavel

Fontanes erster Besuch

6./7. Juni 1880

THF, Chronik, 6. Juni 1880

Notizbuchaufzeichnung

Notizbuch B 14 [Reise 10.11.1880]

Digitale Notizbuchedition

Erstdruck im Journal

 

Fontane: Die Hertefelds und Liebenberg

Vossische Zeitung (1881)

Erstveröffentlichung im Buch

 

Fontane: Fünf Schlösser (1889)

Liebenberg (4. Kapitel)

Rezeption

Rauh/Lorenz: Fontanes Fünf Schlösser (2017, 1. Aufl.)

Liebenberg (2. Kapitel)

 

Schloss Liebenberg im Band Fünf Schlösser (1889)

 

Epochenmachend

Fontane interessierte sich nachweislich seit Anfang der 1870er-Jahre für Liebenberg, insbesondere für die Ära der adligen Familie Hertefeld. Die Leistungen von Jobst Gerhard von Hertefeld bei der Urbarmachung und Ansiedlung von Kolonisten Mitte des 17. Jahrhunderts bezeichnete Fontane in seinem Buch Fünf Schlösser (1889) „als epochemachend für die Kulturgeschichte der Mark“. 

Eulenburg und Fontane

Im 19. Jahrhundert gelangten Gut und Schloss Liebenberg in den Besitz der Eulenburgs. Vom berühmtesten Besitzer, Graf Phillip zu Eulenburg (1847-1921), wurde Fontane im Jahr 1880 mehrmals im Schloss zu Gesprächen und Archivstudien empfangen. 

Die Geschichte der Familien Hertefeld und Eulenburg stehen auch im Mittelpunkt des Liebenberg-Kapitels. Hervorgehoben wird u.a. Karl von Hertefeld (1794 – 1867), der fünfzig Jahre Besitzer von Liebenberg war. Dokumentierte Briefe des alten Hertefelds aus der Zeit der Napoleonischen Kriege runden Fontanes Studien über die beiden Adelsgeschlechter und ihre Bedeutung für die Mark Brandenburg ab.  

Theodor Fontane, Fotografie, um 1880

Philipp Graf zu Eulenburg, Fotografie, um 1885

Kunstschätze

Im letzten Teil des Kapitels protokolliert Fontane die baulichen Veränderungen am Schloss sowie das Inventar, also seine Kunst- und Erinnerungsschätze. Abschließend beschreibt er den Park, durch Umfang und Schönheit ausgezeichnet, sowie die Kirche – noch heute nur wenige Schritte vom Schloss entfernt.

Schlosshof mit Kaiserbrunnen und Kirche, um 1900

Quelle: Jörn Lehmann

Schlosshof mit Kaiserbrunnen und Kirche, 2016

Foto: Robert Rauh

Schloss Liebenberg in dem neuen Buch Fontanes Fünf Schlösser

 

Verhaftung in Liebenberg

(Z)zu meinen glücklichsten ´Wanderungs`-Tagen in Mark Brandenburg gehören die in Liebenberg verbrachten, resümierte Fontane 1890 in einem Brief an Eulenburg. Was vor allem zurückzuführen ist auf das gute Verhältnis zwischen Dichter und Graf. Wir erzählen in unserem Buch Fontanes Fünf Schlösser (2017), wie die beiden – neben freundschaftlichen Schmeicheleien – auch voneinander zu profitieren gedachten. Und warum Eulenburg die Freundschaft zu Fontane später leugnte.

Außerdem berichten wir über den Höhepunkt des Eulenburg-Skandals (1906-09), den das Kaiserreich erschütterte und den Fontane nicht mehr erlebte: die Verhaftung Eulenburgs im Mai 1908 – in Liebenberg. Zuvor war der inzwischen zum Fürst erhobene Graf von seinem langjährigen Freund und Vertrauten, Kaiser Wilhelm II., fallen gelassen worden.

Skandal im Kaiserreich: Kaiser Wilhelm II. (li.) und Eulenburg während der Nordlandfahrt, 1890

Foto: gemeinfrei

Libertas

In der Schlosskappelle von Liebenberg wird heute mit einer kleinen Ausstellung an Libertas Schulze-Boysen erinnert. Die Enkelin des Fürsten Philipp von Eulenburg, die einen Teil ihre Kindheit in Liebenberg  verbrachte,  gehörte zur NS-Widerstandsgruppe Rote Kapelle und wurde zusammen mit ihrem Mann Harro 1942 von den Nationalsozialisten hingerichtet. In diesem Zusammenhang berichten wir über eine schicksalhafte Begegnung zwischen Libertas und Göring im Jahr 1936 – auf Schloss Liebenberg. Der zweite Mann im NS-Staat wurde von den Eulenburgs regelmäßig zur Jagd eingeladen.

Erinnerung an den Widerstand: Libertas-Kapelle mit Ausstellung zur Roten Kapelle, 2016

Foto: Robert Rauh

Jagen und beobachten

Liebenberg war im 20. Jahrhundert bevorzugtes Staatsjagdgebiet: Erst Kaiser Wilhelm II., dann Göring und am Ende Ulbricht und Honecker. Auch heute befindet sich auf dem Gut ein Jagdtrainingszentrum. Leiter ist Frank Luck, Olympiasieger im Biathlon, mit dem wir im frühen Morgengrauen durch die unberührte Natur auf die Pirsch gehen, um die einheimischen Wildarten im Liebenberger Forst zu beobachten – ohne Waffen.

Zäsur 1945

Wie für alle Schlösser im Osten wird das Jahr 1945 zur Zäsur: Nach der Flucht der adligen Besitzer folgen Plünderung und Enteignung. Wir berichten, wie Liebenberg in diesem Jahr beinahe ganz zerstört worden wäre. Wie das Schloss in der DDR genutzt wurde. Und wie das Gut zusammen mit dem gesamten Dorf nach der Wiedervereinigung bundesweit zum Verkauf angeboten wurde.  

Bundsweit zum Verkauf angeobten: Schloss Liebenberg, Fotografie, ca. 1991

Quelle: Siegwart zu Eulenburg

Mehr als ein Hotel

Wir fragen Janet Müller, stellvertretende Hoteldirektorin, was die DKB Stiftung – die Schloss und Gut heute betreiben – unter dem Liebenberger Weg (Hotelflyer) versteht. Und erkundigen uns bei der Schauspielerin Dagmar Manzel und den Countertenor Jochen Kowalski über ihre Konzerterfahrungen in der Kulturscheune auf Gut Liebenberg.

Fontane open air: Eröffnung der Sonderausstellung „Fontane auf Liebenberg“ am 19. Mai 2019 im Schlosshof

Foto: Robert Rauh

Chronik von Schloss Liebenberg

1711

Bau eines Herrenhauses auf dem Rittergut Liebenberg (Rittergut nachweislich seit 1580) durch Samuel von Hertefeld (1664-1730); Existenz von Vorgängerbauten

1730

Bestandsaufnahme im Todesjahr von Samuel von Hertefeld: Herrenhaus, Orangerie, Gewächshaus, Gartenhaus, Brauhaus, Scheune und Ställen sowie ein Park

1743-47

Bau eines Barockschlosses als eingeschossigen Putzbau durch Ludwig Casimir von Hertefeld (1709-1790)

1833-34

Umbau in ein zweigeschossiges, klassizistisch geprägtes Herrenhaus durch Karl Adolf Alexander von Hertefeld (1794 -1867), der „alte Hertefeld“, der fünfzig Jahre Besitzer von Liebenberg war (1816-1867)

1867

Besitzerwechsel: Beginn der Ära Eulenburg

1867-1872

Erweiterung um einen zweigeschossigen Flügel in nordöstlicher Richtung durch Philipp Conrad Graf zu Eulenburg (1820-1889)

1872

erstes nachweisliches Interesse Fontanes an Liebenberg und den Hertefelds

1880

mehrmaliger Besuch Fontanes in Liebenberg

1891-1906

Schlosserweiterungen, u.a. Bau eines zweigeschossigen Anbaus mit „Nordischer Halle“ im Erdgeschoss, durch Philipp zu Eulenburg und Hertefeld (1847-1921)

1906

letzte Kaiserjagd in Liebenberg vor der Ächtung Eulenburgs

1906-08

Errichtung des Seehaus an der Großen Lanke

1934-39

jährliche Jagd Görings in Liebenberg

1945

April: Flucht der Fürstenfamilie

Mai: Enteignung

Juli: Zerstörung des Archivtrakts, der Brennerei, des Einfahrtsturms und der Nordischen Halle durch Brand 

1946

Übergabe des Gutes Liebenbergs an die SED durch Sowjetische Militäradministration 

ab 1957

Nutzung als Lagerhaus, danach als Lehrlingswohnheim

1964

Forst Liebenberg wird Staatsjadggebiet der SED-Führung

1974

Sanierung und Umbau ohne Berücksichtigung der historischen Struktur

1990

Übernahme durch die Treuhand; bis 2000 unterschiedliche Pächter

2000

Kauf durch die Landeswohnungsbaugesellschaft (LEG Wohnen), Mitgesellschafter ist die Deutsche Kreditbank AG: Ausbau von Schloss und Seehaus zum Tagungshotel

seit 2005

Übernahme durch die DKB Stiftung für gesellschaftliches Engagement

 


Titelbild

  • Schloss Liebenberg (Parkseite), 2016; Foto: Robert Rauh

Literatur

  • Eulenburg-Hertefeld, Wend Graf zu: Erinnerungen an Liebenberg, Engelhorn, Stutgart 1990.
  • Fontane, Theodor: Fünf Schlösser. Altes und Neues aus Mark Brandenburg, Verlag Wilhelm Hertz, Berlin 1889
  • Fontane, Theodor: Wanderungen durch die Mark Brandenburg, Band 5. Fünf Schlösser, hrsg. von Gotthard Erler und Rudolf Mingau. Aufbau-Verlag, Berlin 1994.
  • Lehmann, Jörg: Liebenberg. Ein historischer Streifzug, Edition Rieger, Karwe 2015.
  • Lorenz, Erik Lorenz/Rauh, Robert: Fontanes Fünf Schlösser. Neue und alte Geschichten aus der Mark Brandenburg, be.bra Verlag, Berlin 2026 [mit ausführlichem Literaturhinweis].
  • Steller, Thomas: Schlösser und Gärten der Mark. Liebenberg, Heft 160, Nicolai Verlag, Berlin 2020.

Weblinks